Corona und die Beziehung

Sabine Lahme Kolumne

Wie Menschen eine Beziehung führen, ob diese gelingt, ob es jedem wert genug ist in die Beziehung zu investieren, das ist so individuell wie jeder Mensch selbst.

Seit es COVID-19 gibt, sind die Folgen, die dieses Virus auf Beziehungen hat ebenso vielfältig.

Corona, dieses Thema begleitet nun schon seit Monaten den Alltag vieler Menschen und stellt so manche Beziehung auf die Probe.
Jedoch bietet das Virus für viele Beziehungen auch eine echte Chance zur Veränderung.
Die Vorteile für die Beziehungen sind, dass die im Alltag unterdrückten Defizite jetzt ans Tageslicht kommen und bearbeitet werden können.
Beschreiben Paare Ihre Beziehung als wohlwollend, liebevoll und harmonisch, so steht dem Blick in die gemeinsame Zukunft nichts im Wege.

Paare, deren Beziehung bereits vor Corona schwierig war, empfinden das monatelange Aufeinandersitzen als sehr beziehungsbelastend, denn die ungelösten Konflikte können zu jederzeit ausbrechen.

Was sind die Themen in den Beziehungen?
Soziale Kontakte:

Durch die Reduktion von persönlichen Treffen, bedingt auch durch die nach wie vor vorhandene Homeoffice-Thematik, rücken Beziehungen näher zusammen und verbringen fühlbar mehr Zeit zu Zweit.
Treffen mit Freunden im Außen sind wieder machbar, jedoch schwingt bei vielen Paaren die Angst vor dem Gespenst COVID19 nach wie vor mit.
Das Risiko selbst zu erkranken, verhindert die Treffen mit den sozialen Kontakt.
Paare konzentrieren sich mehr aufeinander.
Das gibt der Beziehung Raum für Gespräche, viel gemeinsame glückliche Zeit jedoch auch die Möglichkeit für Konfliktpotenzial.
Vor allem dann, wenn die Beziehung schon vor COVID-19 in der Schieflage war weil z.B. Bedürfnisse und Wünsche nicht klar und verständlich kommuniziert wurden.

Beziehungskonflikte durch zu viel Nähe:

Leben Paare in einer glückserfüllten Beziehung, spielt die Autonomie oft eine nicht unerhebliche Rolle.
Autonomie, das bedeutet eigenständig Dinge machen zu können, den Anderen zu lassen, Raum zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeit zu finden oder sich zurückziehen zu können, Ruhe zu finden für die innere Balance oder sich frei zu fühlen.
Das bedeutet nicht, dass der Partner keinen Platz mehr im Leben des Anderen hat, sondern dass die Priorisierung der Bedürfnisse bei jedem unterschiedlich sein können.
Jetzt, in Zeiten von COVID-19 ist das eine große Herausforderung für Paare, wenn jeder den Partner ganztägig um sich herum weiß und Nähe und Rückzug miteinander einhergehen.

Trennung in Zeiten von COVID-19:

Auch das ist ein Phänomen der Pandemie.
In Zeiten von COVID-19 steht plötzlich vieles auf der Kippe, gerade dann, wenn es in der Beziehung schon lange kriselt.
Durch die große Nähe ist es schwierig den Krisenherden aus dem Weg zu gehen.
Und nicht selten greifen Konfliktlösungsstrategien nicht mehr, da die gegenseitige Verletzlichkeit so ausgereizt ist, dass die einzige Möglichkeit die Trennung ist.
Oft ein äußerst schmerzhafter Prozess für alle.

Qualitäten der Beziehung neu erleben:

Viele Paare berichten, dass COVID-19 ein Gewinn für die Beziehung ist.
Situationen werden sofort geklärt, die “Zeit zu Zweit“ wird intensiver gelebt, das Interesse und der Fokus sind auf das Paar gerichtet.

Akzeptanz der Situation, wohlwollende Gespräche, gemeinsame Rituale und Möglichkeiten für neuartige Wege auf der Beziehungs-Ebene sind die Garanten für die neue Qualität der Beziehung.
Diese andersartige Nähe bietet auch Zeit für Intimität und Sexualität.
Eine Zunahme von Schwangerschaften, sagen Wissenschaftler, könnten die glücksbringenden Folgen sein.

Was kann den Beziehungen helfen?

Ein offener Dialog, ist ein wichtiger Schlüssel für alle Beziehungen, die wir Menschen führen.
Meist ist es hilfreich, die ungeklärten Konfliktsituationen anzusprechen.
Offenheit und Ehrlichkeit sind gerade in diesen sehr herausfordernden Zeiten enorm förderlich.

– formulieren Sie in der ICH-Form
– vermeiden Sie Forderungen und Schuldzuweisungen
– unterlassen Sie Vorwürfe
– lassen Sie Ihr Gegenüber aussprechen

Auch für Beziehungen, die gerade auf Wolke 7 schweben gibt es ein paar Tipps.

– sprechen Sie über die Dinge, die gut laufen
– wertschätzen Sie Ihren Partner und Ihre wundervolle Beziehung
– sagen Sie Ihrem Partner, dass es für Sie nicht selbstverständlich ist, dass die Situation so ist, wie sie ist, sondern zeigen Sie Ihre Dankbarkeit.

Egal, wofür Sie sich entscheiden, ob Machtkampf in der Beziehung, glückserfüllte Beziehung oder am Ende doch für die Trennung.

Machen Sie sich bitte bewusst, in jeder Krise steckt auch eine große Chance.
Nutzen Sie diese.

Ich wünsche Ihnen eine glückserfüllte Woche.

Passen Sie gut auf sich auf.
Ihre
Sabine Lahme