Vom Eiertanz zu den böhmischen Dörfern

Sabine Lahme Kolumne

Kennen Sie das auch, dass jemand in Ihrer Nähe einen “Eiertanz“ vollführt, oder Sie denken, dass sind für mich “böhmische Dörfer“?

Wenn wir über das Aufführen eines “Eiertanzes“ sprechen, dann beschreiben wir umgangssprachlich eine Situation, in der das Gegenüber etwas vorsichtig ausdrückt, kompliziert erklärt und unklar ist, oder um den heißen Brei herumredet.

Das bedeutet, dass das Verhalten dessen eher verworren und übervorsichtig ist, die Klarheit dessen was dieser Mensch sagen möchte fehlt und es wird ein “Eiertanz“ um die Wahrheit gemacht.

Das Problem wird nicht benannt, um auf keinen Fall jemanden zu verstören, zum Zwecke der Harmonie für die Beziehung zwischen den beiden Gesprächspartnern.

Böhmische Dörfer bedeuten, dass das was der andere sagt, komplett missverständlich ist und meist kann der Gesprächspartner nichts damit anfangen.
Auch hier fehlt die Transparenz sowie die Klarheit der Äußerung.

Beides, sowohl einen “Eiertanz“ vollführen, wie auch “böhmische Dörfer“ sind Redewendungen.
Doch woher stammen diese Formulierungen?

Was bedeuten die Redewendung einen “Eiertanz“ machen?
Sagen wir, der/die vollführt einen Eiertanz, dann meinen wir, dass unser Gegenüber taktiert, übervorsichtig ist, so, als ob dieser stilvoll um Eier herumtanzen müsste.
So das Bild des Eiertanzes.

Die Redewendung ist zurückzuführen auf die Zeit des deutschen Dichters Johann Wolfgang von Goethe.
Dieser machte eine Beobachtung, dass ein Mädchen, Eier nach einen bestimmten Muster auf einen Teppich drapierte, um dann mit verbundenen Augen zwischen diesen hindurch zu tanzen.
Das beeindruckte Johann Wolfgang so sehr, dass er das niederschrieb und in seinem Werk Wilhelm Meisters Lehrjahre veröffentlichte.
Er beschrieb 1795, dass Mignon mit verbundenen Augen zwischen Eiern tanzte.

Während der Eurokrise wurde das Wort “German Eiertanz“ gebraucht um das zögerliche Verhalten Deutschlands zu beschreiben.

Begriffe wie “Herumeiern“ oder “Herumgeeiere“ beschreiben dieselbe Situation.

Was sagen wir, wenn wir den Satz aussprechen, das sind für mich “böhmische Dörfer“?
Die Redewendung “böhmische Dörfer“ stammt aus dem 16. Jahrhundert.
Damals, war Böhmen ein Gebiet, das zu Tschechien gehörte, was westlich an Deutschland grenzte und südlich an Österreich.
Obwohl Böhmen sehr nahe war, ist die Landessprache andersartig, was es im Umgang und Austausch nicht einfach machte.
Besonders bei der Aussprache der böhmischen Ortsnamen klangen diese äußerst andersartig.

So entstand die Redewendung, das sind für mich “böhmische Dörfer“, die wir noch heute anwenden, dann wenn wir etwas nicht verstehen oder etwas fremd klingt.

Amüsant ist, dass es auch in anderen Ländern, dann wenn es um Unverständnis geht, Redewendungen gibt.
Diese lauten zum Beispiel in England:
Das kommt mir griechisch vor.
“It´s Greek to me.“
Und die tschechische Bevölkerung spricht von spanischen Dörfern.

Was können Sie tun um einen “Eiertanz“ oder “ böhmische Dörfer“ zu vermeiden?
Das Zauberwort lautet Klarheit – verschaffen Sie sich Klarheit.
Nebenbei, Klarheit ist ein Bedürfnis, das uns Menschen oft nicht bewusst ist.

Doch um Klarheit in unserem Leben zu erfahren, sollten Sie sich dessen Bewusst sein und so lange nachfragen, bis ein gemeinsames Verständnis erzielt ist.
Wenn Sie einen Eiertanz um etwas machen, oder böhmische Dörfer verstehen, dann sind Ihnen die Dinge meist nicht klar.

Haben Sie den Mut die Dinge klar auf den Punkt zu bringen um nicht mehr “herumzueiern“ und vor allem, klären Sie offen und ehrlich Ihre Missverständnisse.
Um mehr Klarheit in Ihr Leben zu bekommen, sollten Sie sich trauen das zu tun, statt weiter einen Eiertanz um die ungeklärten Dinge zu machen oder in böhmischen Dörfern zu leben.

Tanzen Sie besser mit Ihrem Lieblingsmensch durchs Leben und machen Sie aus den Eiern einen leckeren Kuchen.

Ich wünsche Ihnen eine glasklare Woche.

Passen Sie gut auf sich auf und vor allem
bleiben Sie gesund.